NORDAKADEMIE Fachtagung Interkulturelle Kompetenz

Prof. Dr. Sandra Blumberg, Rebecca Krings, Julian Kreutzmann (von links nach rechts)

Prof. Dr. Sandra Blumberg

Florian Lude

Juliane Hüppe

Prof. Dr. Lothar Bildat

Julian Kreuzmann (links), Marcel Meyer (rechts)

Auf der Fachtagung zum Thema „Interkulturelle Kompetenz als treibende Kraft internationaler Wettbewerbsfähigkeit“ am 8. Februar 2019 im Hamburger Dockland Campus der NORDAKADEMIE zeigten Vertreter von Global Playern, wie Unternehmen den Anforderungen der zunehmenden Internationalisierung begegnen, indem sie die interkulturelle Kompetenz ihrer Mitarbeiter stärken. Experten aus dem Internationalen Management und Human Resource Management der NORDAKADEMIE betrachteten das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive.

Rund dreißig Vertreter von Hamburger Unternehmen, vor allem aus den Bereichen Personal, Marketing und Vertrieb nahmen an der gemeinsamen Veranstaltung von AGA Unternehmensverband und NORDAKADEMIE teil. AGA Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch und NORDAKADEMIE Präsident Prof. Dr. Stefan Behringer begleiteten die Tagung, unterstützt von Dr. Andrea Hafenstein und Dinah Geißendörfer (beide AGA).

Interkulturelle Kompetenz führt zu Wettbewerbsvorteilen – Beispiele aus der Praxis

Prof. Dr. Sandra Blumberg, Studiengangsleiterin des dualen Studiengangs International Business B.Sc., gab einen Einblick in die Komplexität von interkultureller Kommunikation in der Wirtschaft, die auf verbaler, nonverbaler und paraverbaler Ebene stattfindet, und stellte den Zusammenhang von Einstellung, Wissen und Verhalten im interkulturellen Miteinander dar. Sie betonte, dass interkulturelle Kompetenz trotz allgegenwärtiger Globalisierung noch allzu oft unterschätzt würde und die internationalen Aktivitäten vieler Unternehmen unter eben dieser Unterschätzung leiden würden. Veränderungsresistenzen und ein schwer quantifizierbares Konzept seien hier durchaus Hauptursachen, berichtete Frau Blumberg aus ihrer eigenen, mehrjährigen Tätigkeit in der Wirtschaft.

Florian Lude, Director Sales in der Business Unit Energy & Drive bei Vincorion-Jenoptik, begann seinen Vortrag mit einem Beispiel aus der Sprachpraxis: Der Wortlaut „Ma“ hat im Thailändischen fünf verschiedene Bedeutungen, je nachdem wie man ihn ausspricht - für Europäer schwer nachzuvollziehen und zu lernen. Für Florian Lude ist es wichtig, sich Komplexität und Andersartigkeit im Umgang mit ausländischen Geschäftskunden stets bewusst zu sein, dass es aber keineswegs Ziel sein solle, alle Sprachen zu sprechen und alle kulturellen Gepflogenheiten bis ins kleinste Detail zu verinnerlichen. Es ginge im internationalen Vertrieb vielmehr darum, ein geschärftes Bewusstsein für die kulturellen Aspekte der Interaktion zu entwickeln, Interesse an einer Zusammenarbeit mit Personen aus fremden Kulturen zu haben und sich entsprechend zu verhalten. Seine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass man in interkulturellen Situationen selten alles perfekt und richtig machen kann - Verständnis und Respekt seien hier die Schlüssel zum Erfolg.

Juliane Hüppe, Head of HR Development & CSR Europe bei Olympus Europe SE & CO.KG, berichtete von den interkulturellen Herausforderungen, die Olympus in Zeiten von Transformation aktuell zu bewältigen hat. Der japanische Konzern durchläuft zurzeit einen starken Wandel. Im Hamburger Europa-Headquarter wird eine Annäherung an eine westliche Unternehmenskultur angestrebt. Dies bedeutet vor allem für die Japaner starke Veränderungen. Dort herrschen andere Kommunikationsgrundsätze (Consensus-Politik) und andere Entscheidungsstrukturen (bottom-up statt top-down). Zudem spielt Erfahrungswissen eine sehr viel größere Rolle als in westlich-geprägten Unternehmen. Viele Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen müssen angegangen werden. Es braucht ein vorsichtiges Change Management mit Beratern, die sich in Japan auskennen, um die globalen Strukturen von Olympus transformieren zu können.

Internationale Personalauswahl – Tools und Strategien

Prof. Dr. Lothar Bildat stellte Tools und Strategien der internationalen Personalauswahl vor. Er nannte die relevanten Persönlichkeitsmerkmale, die erfahrungsgemäß zu einem guten internationalen beruflichen Erfolg führen, und mit welchen Methoden man sie erfasst. Dabei wies er auch auf die strategischen Herausforderungen der multinationalen Personalauswahl hin und nannte Strategien und Testanwendungen, die eingesetzt werden können. Sehr eindrücklich stellte er die „dunkle Triade“ aus Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus vor. Dieses Modell stellt ein extremes Persönlichkeitsprofil dar, welches im europäischen und angelsächsischen Kontext eher negativ behaftet ist, jedoch oft mit wirtschaftlichem Erfolg korreliert.

Erfahrungen von zwei Studierenden

Am Schluss der Fachtagung kamen zwei Studierende der NORDAKADEMIE zu Wort: Sehr lebendig schilderten Julian Kreutzmann, dualer Student Betriebswirtschaftslehre bei Olympus, und Marcel Meyer, dualer Student International Business bei Philips ihre eigenen interkulturellen Erfahrungen und Erwartungen in ihren jeweiligen Unternehmen. Julian Kreutzmann zog – nachdem er gerade seine Bachelorarbeit abgegeben hatte – das Fazit aus seinem Studium, dass Sprachkenntnisse und ein Auslandssemester allein keineswegs bedeuteten, man sei interkulturell kompetent. Hier würden viele Unternehmen falsche Erwartungshaltungen zeigen. Interkulturelle Kompetenz bedarf einer intensiven Thematisierung in der Lehre, die Besprechung von positiven und negativen Erlebnissen, die im Rahmen des Auslandsaufenthaltes gesammelt wurden, und die Erörterung von zukünftigen Handlungsalternativen. Marcel Meyer stellte dar, dass der duale Studiengang International Business der NORDAKADEMIE hier eine hervorragende Grundlage biete, um die notwendige interkulturelle Kompetenz zu erwerben.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Teilnehmer der Fachtagung wertvolle Anregungen und Impulse mitnehmen konnten, und eine Fortführung dieser Veranstaltungsreihe gewünscht wird.

Teilnehmerstimmen

 

„Eine interessante Fachtagung, welche erste relevante und wichtige Implikationen sowie Informationen über die Problematik aber auch Fähigkeit der interkulturellen Kompetenz gegeben hat. Breit gefächerte Vorträge und Referenten, welchen man gern zugehört hat. Chapeau!“

Lars Born, Personalabteilung TER HELL & CO. GMBH, Hamburg

 

„Sehr variantenreiche Vorträge und Top-Referenten, die es geschafft haben, am Freitagnachmittag die volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und den Teilnehmern exklusive Tipps mit auf den Weg zu geben.“

Regine Stolte, Personalabteilung medac GmbH, Wedel


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